Inmitten der nicht enden wollenden Diskussionen um Flüchtlinge und deren Probleme mit der Integration gibt es immer wieder auch Beispiele, wo alles super läuft. Oder sagen wir besser: laufen könnte.

Wenn er sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht, ist es die meiste Zeit des Jahres noch stockdunkel. Belhaj Montasar lebt in einem Flüchtlingsheim im Nordosten Leipzigs und muss die rund 25 Kilometer bis ins südlich von Leipzig gelegene Zwenkau mit den Öffentlichen zurücklegen – mehrfaches Umsteigen inbegriffen. Im Heim, einer Auffangstätte für ledige Männer, kann er oft nur wenig oder gar nicht schlafen. Und trotzdem macht er sich auf den Weg, Tag für Tag, um seine Ausbildung zum Metallbauer bei Jaeger Glas- und Metallbau  in Zwenkau zu absolvieren.

 

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Ohne großes Engagement wäre kein Erfolg möglich. Sandra Reichel von Jaeger Glas- und Metallbau kümmert sich intensiv um die organisatorische Betreuung von Belhaj Montasar.


Die Möbel stehen bereit

Dabei hatten seine Kollegen schon eine Wohnung in Zwenkau für den 28-jährigen Libyer gefunden. Im Betrieb, so erzählt seine firmeninterne Betreuerin Sandra Reichel, gibt es außerdem einen Lagerraum, der voll ist mit gespendeten Möbeln und Accessoires. Den Umzug, die Renovierung, all das hätten die Kollegen gemanagt, ohne dass den Ämtern Kosten entstanden wären. Aber nachdem die zuständige Ausländerbehörde sieben Monate lang immer wieder neue Nachweise angefordert hatte, befand sie schließlich, dass der Arbeitsweg zumutbar und die Umverteilung von Leipzig Stadt auf Leipzig Land daher nicht statthaft sei. In Leipzig eine Wohnung zu finden ist jedoch nahezu unmöglich, wenn man so aussieht und so heißt wie Belhaj Montasar.


Zum Aufgeben gezwungen

Sein Kollege Ramazan Sherifi hat das nicht durchgehalten. Der Syrer hatte Anfang 2017, also kurz nach Belhaj Montasar, bei Jaeger Glas- und Metallbau angefangen. Zunächst waren beide, die aus ihren Heimatländern Erfahrungen im Schweißen mitbrachten, als Hilfsschweißer angestellt. Für September 2017 war dann der Ausbildungsbeginn  vorgesehen. Ramazan Sherifi, bei dem damals gerade das fünfte Kind unterwegs war, konnte jedoch die Wegstrecken einfach nicht bewältigen. Denn er musste, da seine Frau hochschwanger war, allein erst zwei Kinder in die KiTa und dann zwei in die Grundschule bringen, an verschiedenen Enden von Leipzig und ohne Auto. Trotz des großen Einsatzes zwangen ihn die logistischen Herausforderungen und die mangelnde Bereitschaft der Behörden, die Kinder wenigstens an ein und demselben Ort unterzubringen, zum Aufgeben.


Sicherheit auf Zeit

Belhaj Montasar jedoch macht sich gut im Unternehmen, berichtet Sandra Reichel. Er ist bestens in Team integriert und extrem fleißig. Sein erstes Zeugnis war sehr erfreulich – streckenweise sogar besser als das der deutschen Azubis. Nachhilfe bekommt er noch in Sachen Sprache, denn auch wenn sein Deutsch schon richtig gut ist, sind die technischen Fachbegriffe noch eine Herausforderung. Aber die nächsten Sorgen bahnen sich schon an: Sein Aufenthalt ist nur bis zum Ende der Ausbildung gesichert. Jaeger will ihn unbedingt übernehmen, aber ob er bleiben darf, ist leider mehr als ungewiss.

Betriebsleiter Andreas Klauck: "Es ist eine Freude zu beobachten, wie emsig und engagiert Belhaj trotz aller Schwierigkeiten in der Werkstatt arbeitet. Und es zeigt uns, wie wichtig die Maßnahmen für die geflüchteten Menschen sind. Ich freue mich auch, dass unsere Belegschaft nach verständlicher Skepsis zu Beginn dem neuen Kollegen jetzt sehr offen gegenübersteht. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich das Engagement außerordentlich bereichernd auf unser Unternehmen auswirkt. Ein echter Gewinn für alle."