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Sie sagt

»Die Arbeit "auf dem Bau" kann sehr viel Spaß machen, aber rechnet als Frau mit ordentlichem Gegenwind!«

Sie sagt

»Mein Umgang mit brüskierenden Verhaltensweisen ist tagesformabhängig und reicht von Humor bis Schärfe.«

Eine erfolgreiche Projektleiterin in der männergeprägten Baubranche

Fragen an Beate Prinz, Projektleiterin bei Jaeger Ausbau Rhein-Main


Frau Prinz, Sie sind bei Jaeger Ausbau Rhein-Main als Projektleiterin für Großbaustellen verantwortlich. Wie entstand eigentlich Ihr Berufswunsch Bauingenieur?
Pilotin konnte ich vor 30 Jahren wegen der damaligen Zugangsbeschränkung nur für männliche Studierende leider nicht werden. Mein Abiturnotendurchschnitt (1,0) ermöglichte quasi jeden anderen Studiengang, aber ich fand nicht wirklich das, was nach meinem Geschmack meinen Berufsalltag hätte ausmachen sollen.

Auf Empfehlung wurde ich auf die Sektion „Bau“ der Technischen Hochschule in Leipzig aufmerksam, gebaut würde im Ballungsraum Halle-Leipzig schließlich immer und potentielle Arbeitgeber wie diverse Baukombinate waren im heimischen Halle (Saale) gut vertreten.

Die Baubranche an sich ist ja nicht nur reine Theorie, sondern am Ende jeden Bauvorhabens steht im Normalfall ein greifbares und erlebbares Ergebnis. Das erschien mir substantiell grundsätzlich positiv (in der Medizin ist der Erfolg nicht immer garantiert!) und somit war der „Bauingenieur“ als etwas Grundsolides beschlossene Sache.

Wo haben Sie studiert? Wie hoch war der Anteil der Frauen im Studium?
Ich habe also im September 1985 nach einem obligatorischen praktischen Jahr auf Baustellen mein Studium an der Technischen Hochschule in Leipzig aufgenommen. Der Studiengang trug die Bezeichnung „Ingenieurbau“ und unsere Seminargruppe spezialisierte sich unter der Leitung von Prof. Dr. sc. techn. Rudolf Skoda (er war Chefarchitekt für das Neue Gewandhaus in Leipzig) insbesondere im Bereich „Gestaltung und Entwurf“.

Der Anteil der studierenden jungen Frauen lag bei etwa 30 Prozent und fast alle haben einen erfolgreichen Studienabschluss erzielt. In der DDR waren die Frauen mehrheitlich berufstätig und in nahezu allen Berufsgruppen vertreten, so dass sie in ingenieurtechnischen Branchen und auch dort in leitender Position durchaus der Normalität entsprachen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Männerbranche Bau? Wie sieht heute die Realität aus?
Eine geschlechterspezifische Wertung war – aus meiner Sicht – in vielerlei Hinsicht in der DDR weniger ausgeprägt, als heute. Demzufolge fühlte ich mich mit meinem Studiengang weder als Außenseiter noch hatte ich eine spezielle Erwartungshaltung, da es sich für mich nicht zwingend als „Männerbranche“ darstellte.

Demzufolge bestand meine Erwartung naturgemäß darin, das Studium erfolgreich abzuschließen und anschließend einen recht interessanten Arbeitsplatz zu finden. Dies erfüllte sich anfänglich, da ich aufgrund meiner überdurchschnittlichen Studienergebnisse an der Hochschule ein sogenanntes Forschungsstudium (Ziel: Erlangen der Doktorwürde) aufnahm. Und dann befand sich ab 1989/1990 plötzlich alles gravierend im Umbruch ...

Zu Beginn der Neunziger Jahre wurden viele ostdeutsche Betriebe liquidiert und die übrigen gerieten zumindest in Schwierigkeiten. Ich hatte Bedenken, den wirtschaftlichen Anschluss zu verpassen, legte die unfertige Dissertation beiseite und stürzte mich 1993 ins gesamtdeutsche Berufsleben. Meine Devise zu dieser Zeit lautete „Lieber ein guter Job als Dipl.-Ing., als Jahre später arbeitslos als Dr.-Ing.“ – der Arbeitsmarkt im Osten Deutschlands war in den Neunzigern schließlich recht turbulent.

1995 wechselte ich in das Trockenbaugewerbe und fand mich auf zahlreichen Berliner Großbaustellen plötzlich mittendrin im Baustellenleben wieder. Seitdem habe ich allerdings leider die Erfahrung machen müssen, als Frau in diesem Metier immer erst einmal abklassifiziert zu werden.

Selbst heute noch sehe ich regelmäßig in ungläubige Gesichter, sobald ich mich als zuständige Projektleiterin für ein Großprojekt vorstelle. Trete ich mit männlichen Kollegen irgendwo in Erscheinung, wird vom Gesprächspartner zumeist immer mein Kollege im Dialog angesprochen. Bin ich mit einer Gruppe männlicher Kollegen beruflich unterwegs, erhalte ich in den Hotels mehrheitlich ein Zimmer offensichtlich niedrigerer Kategorie. Auf der Fachmesse in München wird man schon mal gern komplett ignoriert – das kennzeichnet im Jahr 2013 die Wahrnehmung von Frauen nicht nur im direkten beruflichen Umfeld, sondern auch innerhalb der Gesellschaft.

Bei Männern habe ich dieses „Infrage-Stellen“ ihrer Fachkompetenz niemals in solchem Ausmaß erlebt. Alte Rollenbilder und Klischees sind folglich noch reichlich vorhanden, sollten in unserer sonst aber doch so modernen Zeit endlich einem Mentalitätswandel unterworfen worden sein.

Was hat sich schon geändert, was müsste sich ändern, um Berufe in männerdominierten Branchen für Frauen interessanter machen?
Berufe sind aus meiner Sicht entweder für die betreffende Person interessant oder uninteressant, dies völlig geschlechterunabhängig. Natürlich bedarf es jeweils einer gewissen Eignung – technische Berufe sind also für Frauen mit logisch klarem Denkvermögen, einem Talent für Mathematik, der Leidenschaft für Technik und Spaß an einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Aufgabengebiet eine gute Wahl.

In unserer Branche ist ein spannender Arbeitsalltag, geprägt von einem hohen Maß an Eigenverantwortlichkeit, gegeben. Meine persönliche Ausrichtung, Großprojekte für den Innenausbau komplett zu kalkulieren, zu verhandeln und später vollständig bis zur Abnahme umzusetzen und zur finalen kaufmännischen Klärung abzuwickeln, ist äußerst anspruchsvoll und in dieser Komplexität auch für männliche Kollegen nicht alltäglich. Leider sind Frauen mit Entscheidungsbefugnis noch immer eine Seltenheit. An den Berufen selbst muss sich also nichts ändern. Wir fragen uns ja auch nicht, was sich am Beruf der Kindergärtnerin ändern müsse, damit hier mehr Männer einsteigen.

Ändern muss sich grundlegend das Verständnis der Frauen hinsichtlich ihres eigenen Anspruchs und die gesellschaftliche Wahrnehmung, denn: Diese Gesellschaft teilt auf in „Männerbranche“, „frauentypisch“ usw. und dieses Schubladendenken ist, wie mittlerweile auch die Politik feststellte, gestrig.

Wie begegnen Sie Vorbehalten oder Vorurteilen?
Mein Umgang mit brüskierenden Verhaltensweisen ist tagesformabhängig und reicht von Humor bis Schärfe, je nach Häufung frustrierender Erlebnisse. Mann(!) stelle sich bitte vor, es ginge einem permanent selber so.

Überzeugen kann letztlich nur ein in jeder Hinsicht sehr fundiertes Fachwissen, ein kompetentes und rhetorisch sachliches Auftreten, kombiniert mit einer gewissen Unerschrockenheit, da Diskussionen auf Baustellen oder in Verhandlungen schon mal recht heftig geführt werden. Und es ist dann durchaus von Vorteil, wenn man anfänglich unterschätzt wurde.

Ihr Tipp für Berufsanfängerinnen?
Mein Tipp für Unentschlossene: ... schaut am bundesweiten (auch von Jaeger-Standorten angebotenen) Girl‘s Day einfach in die Technik- bzw. Baubranche hinein und entdeckt dort Perspektiven. Die Arbeit „auf dem Bau“ kann sehr viel Spaß machen, aber rechnet als Frau mit ordentlichem Gegenwind. Berufsanfängerinnen rate ich, sich nicht verunsichern zu lassen, sich mit allen Facetten des Berufsalltags auseinanderzusetzen, ihr Wissen stetig zu erweitern und sich hierbei die Unterstützung erfahrener älterer Kolleginnen und Kollegen einzuholen. Dann kann es ein sehr erfüllendes Berufsleben werden.